Ethikkurse des GaR auf Spuren des tschechischen Reformators Jan Hus in Konstanz

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Am 11.07.2023 war statt regulärem Unterricht für die zehnten Klassen des Gymnasiums am Romäusring „Spurensuche – gelebte Werte“ angesagt: An diesem Tag sind die Schülerinnen und Schüler mit ihren Religions- und Ethiklehrern unterwegs, um sich intensiv mit Themen aus den Bereichen Religion und Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Für die beiden Ethik-Klassen stand in diesem Jahr das Thema Jan Hus und das Konstanzer Konzil auf dem Programm. Dazu reisten die Schülerinnen und Schüler in Begleitung ihrer Lehrer Benjamin Dober und Martina Schumacher nach Konstanz.

Dort konnten sie zunächst ans Bodenseeufer und sich mit Blick auf die Imperia, das Wahrzeichen von Konstanz, welches eine satirische Anspielung auf das Konstanzer Konzil darstellt, bei 30° zumindest die Füße abkühlen. Daraufhin ging es weiter: Sie warfen einen Blick ins Münster, die ehemalige Bischofskirche von Konstanz und erkundeten die Niederburg, den ältesten Stadtteil von Konstanz.

Anschließend ging es gemeinsam weiter ins Rosgarten-Museum. Hier drehte sich alles ums Konstanzer Konzil und vor allem um das Schicksal des tschechischen Gelehrten, Theologen und Kirchenreformators Jan Hus.

Der studierte Historiker und Philosoph Ulrich Büttner führte die Gruppe durch die entsprechende Abteilung des Museums und ließ die scheinbar weit zurückliegende Zeit mit rhetorischer Vehemenz wieder auferstehen. Sehr deutlich wurde in seinem Vortrag, wie sehr das 14./15 Jahrhundert als Zeit der Krise mit dem Einzug der Pest in Europa, welche mit der Theodizee-Frage eine Kritik an der Kirche und den alten Autoritäten mit sich brachte, eine wesentliche Etappe auf dem Weg in die Neuzeit darstellte.
Auf Befehl des Konzils von Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wird Hus heute noch in Tschechien als Nationalheld verehrt. Jan Hus verurteilte den Ablasshandel ähnlich wie Martin Luther 100 Jahre später. Er hielt Gottesdienste in der Landessprache, stellte das Wort der Bibel über den Papst dar und teilte den Kelch beim Abendmahl an die Gemeinde aus. Laut Jan Hus war die praktische Anwendung der Religion wichtiger als die Theorie. Er bemängelte den Ablasshandel und die unbeschränkte Autorität des Papstes, was die kirchliche Ordnung beeinträchtigte.
Zu dieser Zeit war es allerdings das Ziel des Konstanzer Konzils, die „unheilige Dreiverfluchtheit“ der Drei-Päpste-Herrschaft zu beenden und die mittelalterliche, von Gott gewünschte Ordnung wiederherzustellen. Neue reformatorische Lehren ruckelten dementgegen an den Grundlagen der Kirche und der Staatsordnung.

In dieser Krisenzeit suchten die Menschen nach jemandem, der die Predigten im Innersten fühlte und davon überzeugt war und nur das predigte, was er auch praktizierte.

Jan Hus erhielt die Einladung, seine Lehren im Konzil zu erklären. Er erhielt einen „Salvus conductus“ des römisch-deutschen Königs Sigismund, die Zusicherung des freien Geleits für seine Hin- und Rückreise. Sigismund wurde wortbrüchig: Hus wurde in Konstanz gefangen genommen und gefoltert. Ziel der Verantwortlichen war eigentlich nicht sein Tod, sondern man wollte dazu bringen, seine Lehren zu widerrufen. Hus war allerdings nicht bereit, zurücktreten von seiner Meinung: Er sah nur den Weg zurück zum Frühchristentum und der Verbleib der Bibel als einzig gültige Autorität. Die Verantwortlichen standen damit vor der Entscheidung, sich selbst mit ihren Drohungen unglaubwürdig zu machen oder aber mit seiner Verurteilung einen Märtyrer zu schaffen. Tatsächlich setzten sich die Befürworter des zweiten Weges durch: Jan Hus wurde zum Ketzer erklärt, damit verlor er alle Rechte. Er wurde zum Tod verurteilt und 1415 bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Mit seinem Tod und seiner Standhaftigkeit wurde er zum wichtigsten Märtyrer der Reformationsbewegung. Die Folge war blutig: In den Hussitenkriegen, die auf dieses Unrechtsurteil folgten, fanden unzählige Menschen den Tod.

Jan Hus gilt als wichtiger Wegebereiter der Reformation: Im Gegensatz zu ihm wurde Martin Luther 100 Jahre später nicht mehr hingerichtet, da sich Karl V im Gegensatz zu König Sigismund an sein Wort hielt.
Mit diesem neuen Wissen über die zentrale Bedeutung der Konzilstadt Konstanz durften die Ethikgruppen die Stadt selbständig mit einer neuen Perspektive erkunden, bevor sie wieder gemeinsam in den Zug nach Villingen stiegen.

Lana Alrfaei und Anya Srivastava

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