Die Zahl von Essstörungen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Gerade unter jungen Mädchen, aber zunehmend auch bei Jungen und jungen Männern sorgen mangelndes Selbstbewusstsein, problematische Beziehungen, unrealistische Vorbilder in den sozialen Medien, realitätsverzerrende Filter und sozialer Druck für kaum zu erreichende Anforderungen an das eigene Aussehen.
Dem trugen Präventionslehrerin Andrea Wegner, Schulsozialarbeiterin Laura Vugrinec und Beratungslehrerin Tanja Neininger-Armbruster am Gymnasium am Romäusring Rechnung und luden Präventionscoach Sabrina Scharf ein. Am Montag, 17.07. sowie Dienstag, 18.7. besuchte sie die achten Klassen sowie die beiden Psychologiekurse am GaR. Die Sinzheimerin, welche selbst zehn Jahre lang von Essstörungen betroffen war und sich mittlerweile dem Kampf gegen diese Krankheit verschrieben hat, thematisierte in einem mitreißenden Vortrag ihre eigenen Erfahrungen mit der Magersucht. Sie erklärte, welche drei Hauptformen diese Störung ausmachen: die Anorexie (Magersucht),
die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) sowie die Binge-Eating-Störung (regelmäßig auftretende Essanfälle ohne gewichtsregulierende Maßnahmen). Scharf betonte, dass oftmals Mischformen zwischen den drei Hauptformen aufträten und Essstörungen zu den häufigsten chronischen psychischen Störungen im Erwachsenenalter gehörten. Die Entwicklung einer Essstörung beginne zumeist bereits in der Jugend oder jungen Erwachsenenalter. Tückisch sei, dass der Rutsch in eine Essstörung oftmals schleichend und anfangs unbemerkt erfolge. Aus dem allgemein akzeptierten Vorsatz, ein paar Kilo abzunehmen, entwickle sich dann eine Sucht, die dazu führe, dass die Betroffenen nur noch um das Zählen von Kalorien kreisten und dabei in Kauf nähmen, sich und den eigenen Körper damit zugrunde zu richten.
Frau Scharf sprach eindrucksvoll und schonungslos von ihren eigenen Erfahrungen mit der Essstörung. „Ihr könnt euch nicht mehr realistisch im Spiegel wahrnehmen und merkt teilweise nicht, dass ihr etwas ändern müsst, selbst wenn es schon fast zu spät ist.“ Die interessierten Rückfragen der Schülerinnen und Schüler während der Veranstaltung zeigten die gesellschaftliche Relevanz dieses schambehafteten Themas. Trotz allem machte Scharf den Betroffenen sowie ihrem Umfeld Hoffnung: „Ihr braucht Geduld, um aus der Krankheit herauszukommen, aber mit jedem Kilo, das ihr zunehmt, geht es euch auch wieder besser!“ Für weitere Rückfragen der Schülerinnen und Schüler, aber auch betroffener Eltern oder Lehrer hinterließ Scharf ihre Mailadresse: sabrina.scharf@~@t-online.de.
