„Am Ende aller Tage“ hieß das Stück, mit dem die „Alten Hasen“, die Theater-AG der Klassenstufen 8-K1 am Gymnasium am Romäusring, am Mittwoch, 20.5. die Schultheatertage Schwarzwald-Baar-Heuberg abschlossen. Gespielt wurde die Geschichte der Orestie, in einer konsequenten Mischung aus modernen und antiken Elementen. Schon der Mythos gibt hier nicht viel Hoffnung: Orest erschlägt, von seiner Schwester Elektra angestachelt, die des Vatermordes schuldige Mutter. Da Muttermord allerdings die schlimmste aller Sünden ist, wird er von da an von den Rachegöttinnen, den Erinnyen, verfolgt und gemartert. Während im antiken Mythos Elektra, die als Hüterin der Rache eine zentrale Rolle spielt, von den Erinnyen im Gegensatz zu Orest weitgehend in Ruhe gelassen wird, quält das Gewissen die beiden in der emanzipierten Inszenierung der Theater-AG des GaR, begleitet von Rico Knothe, gleichermaßen.
Und Marter war überall in diesem Stück: Sei es das rhythmische Klatschen und Zischen im Hintergrund, das als unentrinnbarer Taktgeber vom ersten Moment an klar machte, dass das Schicksal hier nur eine Richtung kennt, und zwar nicht die zum Guten; seien es die Fratzen der Erinnyen und ihre zärtlich-martialischen Drohungen, die dazu geneigt waren, nicht nur Orest und Elektra das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Interessant an der Inszenierung war, wie die Persönlichkeitsspaltung der zu Muttermördern gewordenen Kinder von Anfang an konsequent sichtbar gemacht wurde, denn die Forderung nach der Rache des Vaters steht der Liebe zur Mutter in der eigenen Persönlichkeit derartig diametral entgegen, dass es die Kinder schon in der Planung des Mordes sichtlich zerreißt. Und so standen hinter der Fassade der antiken Mythologie höchst aktuelle Themen wie instrumentalisierte und vernachlässigte Kinder, die an der Unmöglichkeit zerbrechen, es Vater und Mutter gleichermaßen recht zu machen. Schuldig machten sich alle auf der Bühne, denn im Ensemble wurden die Rollen von Mördern und Ermordeten, von Opfern und Tätern mit einfachsten Mitteln herumgereicht: Ein Schild und ein Kleid, diese beiden Requisiten genügten, um die Rollen eindeutig kenntlich zu machen, so überzeugend und expressiv war das Spiel der Schülerinnen und Schüler. Und so verhallte die herzzerreißende, fast liturgische Bitte nach Erbarmen für die gequälte Seele, die das Stück bereits eröffnet hatte, am Ende einsam und ungehört im Theaterraum.

