Schüler setzen sich mit Macht auseinander
Starke Männer braucht das Land. Führungsstärke ist gefragt. Doch was passiert, wenn man sie gewähren lässt? Die Theater AG des Gymnasiums am Romäusring ist am Donnerstag und Freitag mit ihrem Stück "Macht" neue Wege gegangen.
Nicht nur, dass sich die Schüler mit der Suche nach dem letzten Geheimnis der Macht einem Thema widmeten, das auch heute noch kaum zu beantworten ist. Sie hatten sich auch für eine Zentralbühne in der Aula entschieden, die ihnen alles abverlangte.
Im Kreis saßen die Zuschauer, die einen guten Blick auf das Geschehen hatten, und zwar einmal ringsum .Jeder der jungen Laiendarsteller befand sich im Fokus der Zuschauer, sich zu verstecken oder im Hintergrund zu bleiben, war keine Option, es war einfach nicht möglich. Rektor Jochen von der Hardt hatte die Besucher mit den Worten "wir kämpfen uns gerade zurück in die Normalität" begrüßt und schaute dann gespannt auf das Geschehen auf der Zentralbühne, um sie herum und sogar zwischen den Zuschauern.
Drei Führungsstarke, Hitler, Robespierre und Kim Jong Un, standen im Mittelpunkt des gesellschaftskritischen Themas, das immer noch aktuell ist. In der Mitte stand Therapeutin Dr. Sandt mit leicht freundlichem Blick, der jedoch nicht die Verachtung für die drei Diktatoren verbergen konnte. Sie nahm sich die drei ehemals Mächtigen einzeln vor, befragte sie nach ihrer Mutter und dem Vater, und es war schnell ersichtlich, dass keine schlimme Jugend die Diktatoren zu den späteren armen Kreaturen gemacht hatte.
Die Stiefel von Hitler, die Perücke von Robespierre oder die lange Jacke von Kim Jong Un waren die Zeichen der Macht der Drei. Nahm man ihnen diese Zeichen weg, und das tat Dr. Sandt genüsslich und gnadenlos, blieben drei arme weinerliche Würstchen übrig, die von ihrem gerade noch blindwütigem Gefolge ratlos betrachtet wurden. Sie wirkten hilflos, grotesk, lächerlich, und das Publikum hätte sich freuen können ob der Demaskierung, aber irgendwie blieb das Lachen im Hals stecken. Kaum bekamen sie von der Therapeutin ihre angeblichen Zeichen der Macht wieder zurück, erwachte das Volk, genial gespielt von den Schülern, zur blutrünstigen Gefolgschaft. Sie tobten mit wildem Blick und gebleckten Zähnen um die Bühne, warfen sich zu Boden, schlängelten sich durch die Zuschauer und brüllten: "DieBraunhaarigen verderben unser Volk, die mit den Kulleraugen, die so verdorben gucken, müssen weg, die mit dem schleimigen Lächeln müssen weg, wer anders ist, schnipp schnapp Kopf ab."
Man nahm ihnen die Mordlust und die blinde Gefolgschaft ab, während die Diktatoren sich für ihren Vernichtungszug rechtfertigten. Der mit den Stiefeln wienerte sie hektisch und greinte: "Ich hasse Liebe", der mit der Jacke, der Nachklatsch seines Vaters, des großen Führers, wollte doch nur geliebt werden, und der mit der Perücke wollte die Menschheit doch nur zerstückeln, um sie zu verjüngen.
Endlich zeigte auch die Therapeutin ihr wahres Gesicht: Mit der Perücke, den Stiefeln und der Jacke im Arm rief sie mit wachsender Verzweiflung: "Ihr müsst mir folgen." Schallendes Gelächter antwortete ihr.
Der Regisseur klärte sie auf. Sie müsse dem Volk versprechen, dass eine bessere Zukunft, eine bessere Rente, ja sogar ein Mercedes auf sie warte, sowie der letzte Kopf gerollt sei. "War man in der heutigen Zeit bei dem Gerede der Politiker angelangt?" Könnte sein, ja es war so.
Viel Applaus für die Darsteller
Lang anhaltender Applaus belohnte die Darsteller, das waren: Chrisopher Becker, Sarah Büchler, Oliver Götz, Selin Eslek, Larissa Gaede, Mia Geiger, Aurelia Glatz, Simon Haß, Niloufar Hayat, Jakob Hehn, Magdalena Markovic, Akhila Rajh, Lara Riegger, David Rzepka, Thearany San, Caroline Stamer, Julia Storz, Milan Veigel, Vivien Weber, Elias Wenzler und Alexander Zerba. Nicht zu vergessen Thomas A. Schneider, der für einen neuen Blick und die Ordnung auf der Bühne sorgte, sowie viele Helfer, dabei auch die Eltern, die Direktion und die Pädagogen.