Studienfahrt Griechenland
Eine der drei Studienfahrten der K2 führte mit Herrn Knothe und Herrn Wudy nach Griechenland. Dort lernten wir ein vielschichtiges Land kennen, das nicht nur historisch viele Dimensionen und Facetten hat.
Zum einen das gegenwärtige Leben: Trotz einiger Zeichen der wirtschaftlichen Krise (geschlossene Läden in Seitenstraßen) erfreuten wir uns an farbenfrohen Märkten (Kaki! Mandarinen frisch vom Baum, Oliven in 1000 Sorten….), an der ungebrochen leckeren griechischen Küche (gefüllte Tomaten, Moussaka….), oft garniert mit der typischen griechischen Gastfreundschaft (Nachtisch wie Apfelscheiben mit Zimt kostenlos „vom Haus“) und an pfeilschnellen, wendigen Booten, die uns am letzten Tag auf die Insel Spetses trugen.
Zum anderen lernten wir mehrere Epochen der Geschichte kennen mit dem, was bis heute geblieben ist, angefangen bei der Antike:
Wir erkundeten die Ausgrabungen des alten Korinth, in dem einst der Apostel Paulus gepredigt hat, erwanderten den Tafelberg Akrokorinth gleich daneben, besuchten in Delphi den sagenumwobenen Nabel der Welt, wo einst die Apollo-Priesterin Pythia mehrdeutige Orakel von sich gab und besuchten in Athen das Nationalmuseum mit seinen ungezählten Vasen und Statuen: Wer würde je den Blitze schleudernden Zeus in Überlebensgröße vergessen? Und wer würde die Erfahrung vergessen, dass seine eigene Stimme ohne jedes Hilfsmittel bis in die oberste Reihe eines 15000 Menschen fassenden Theaters klar zu verstehen ist? So geschehen in Epidauros.
Zum anderen widmeten wir uns der Welt des Christentums und der orthodoxen Kirche. Hier beginnt alles bei den Missionsreisen jenes Paulus, führt über die uralten Mauern des Klosters Hosios Lukas bis hin zu den ungezählten Kirchen und Kapellen, die erkennbar häufig besucht werden – gerade am Nationalfeiertag, den wir am 28.10. erlebten.
Der dramatischen Epoche des Aufstands gegen die Osmanen nach 1821 gedachte die Gruppe in Nafplion auf der Peloponnes, von wo aus die Revolte den Anfang nahm. Wenn man heute um den Felssporn wandert und die wechselnden Aussichten auf das Meer genießt, kann man sich kaum vorstellen, wie verbissen und grausam hier gekämpft wurde, z.B. von der Kapiänin Bouboulina aus Spetses, die den Türken mit ihrem Schiff die Nachschubwege abschnitt.
Einer aus deutscher Sicht noch düstereren Epoche begegneten wir schließlich in Distomo. Hier löschte die deutsche Besatzungsarmee im Juni 1944 während einer Strafaktion das Leben von über 200 unschuldigen Dorfbewohnern aus. Ein Film mit deutschen Untertiteln brachte überlebende Zeitzeugen zu Wort und ließ uns deutsche Gäste hier und da wirklich erschaudern. Ein Glück, dass uns Christos Papanikolaou, der für uns seine eigentliche Arbeit unterbrochen hatte, ausnehmend freundlich begegnete. Er legte Wert auf die Feststellung, dass er heutige Deutsche keineswegs als Schuldige für damals ansieht. Niemand ist schuldig für das, was sein Großvater tat. ER betonte sogar, dass etliche deutsche Soldaten damals den Befehl für das unsinnige Blutvergießen verweigert hatten. Er redete uns dann allerdings ins Gewissen, dass wir alle – wenn auch keine Schuld – so doch Verantwortung dafür haben, dass wir derart Menschenverachtendes nie mehr tun oder zulassen. Er wäre kein Grieche, hätte er uns nicht mit einem kleinen Scherz aus diesem dunklen Ort entlassen.
Auf diese Art entstand im Verlauf der Woche ein vielfältiges Bild eines Landes, das nach wie vor in seinen Bann zieht und wieder besucht werden will.
Bild: Schülergruppe auf dem Hügel Lykabettos mit 360 Grad Rundblick auf die Metropole Athen