„Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg zum Propheten“ – und wenn die Schülerinnen und Schüler nicht ins Theater gehen, kommt das Theater eben zu ihnen. Ganz in diesem Sinne luden die drei Villinger Gymnasien gemeinsam am Freitag, 27. Februar, das Klassenzimmertheater „Mobile Spiele“ aus Karlsruhe ans GaH ein. Ziel war es, die Deutsch-Leistungskurse der K2 in der Vorbereitung auf Heinrich von Kleists Lustspiel Der zerbrochene Krug noch einmal unmittelbar mit dem Werk in Kontakt zu bringen.
Das Besondere an dieser Inszenierung: Gespielt wurde nur zu zweit. David Lison spielte den Adam, Petra Ehrenberg übernahm nahezu alle anderen Rollen und wechselte dabei in rasantem Tempo zwischen den Figuren. Auch das Bühnenbild setzte starke Akzente. Gespielt wurde auf einem überdimensionalen Auge – ein zentrales Motiv des Stücks, in dem sich alles um Wahrheit, Wahrnehmung und das Sehen beziehungsweise Nicht-sehen-Wollen dreht. Aktenordner dienten dabei flexibel als Wand, Versteck – sogar für einen kleinen Schnaps zwischendurch – oder als Sitzgelegenheit. So entstand aus einfachen Requisiten eine wandelbare Bühne. Eine moderne Variante der „Mauerschau“ ergänzte die Inszenierung: Auf einem Bildschirm im Hintergrund erschienen Gerichtsrätin Walter und Schreiber Licht, wodurch eine interessante Verbindung zwischen klassischem Drama und zeitgenössischer Darstellung geschaffen wurde.
Eve, Ruprecht, Marthe und Veith traten als Marionettenfiguren auf. Ihre fratzenhaften Masken boten bewusst wenig Identifikationspotenzial und erinnerten an das antike Theater. Dadurch wurde der Fokus weniger auf ihre Individualität als auf ihren eher typenhaften Charakter gerichtet. Besonders eindrucksvoll dargestellt wurde der zunehmende Würdeverlust des Dorfrichters Adam. Während er sich immer stärker in seinen eigenen Lügen verstrickte – symbolisiert durch rote Fäden, die ihn zunehmend umgaben – verlor er auch äußerlich an Autorität. Das Anrichten einer Wurst auf seiner Richterrobe unterstrich diese Entwürdigung auf groteske Weise.
Im Anschluss an die Aufführung hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Schauspieler traten aus ihren Rollen heraus und gaben Einblicke in ihre Inszenierungsentscheidungen sowie in ihre Arbeit als mobiles Theaterensemble – eine wertvolle Ergänzung zur literarischen Analyse im Unterricht. So wurde Kleists Klassiker lebendig erfahrbar gemacht – ganz im Sinne eines Theaters, das zu seinem Publikum kommt.





