Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen

Theater- und Chor-AG des GaR präsentieren „Leonce und Lena“

Die provisorische Bühne in der Aula war gut gefüllt, als die Theater-AG des Gymnasiums am Romäusring am Mittwoch, 10. Juli gemeinsam mit der Chor-AG unter Leitung von Rico Knothe und Elisabeth Dück ihre Interpretation von Büchners Stück „Leonce und Lena“ nach ihren Auftritten bei den Schultheatertagen in Karlsruhe auch an ihrer Stammschule präsentierte.

Diese Aufführung war in ihrer Buntheit und Sprunghaftigkeit ein wenig wie das Leben selbst: Statt dem Originaltext Büchners in vollem Umfang zu folgen, kreierte sie in ausdrucksvollem Spiel Stimmungen, die dem Zuschauer weitgehend freistellten, ob er die einzelnen Bilder zusammenhanglos als Assoziationen auf sich wirken ließ oder ob er sich darin auf die Suche nach dem übergeordneten Sinn der Büchnerschen Dramenhandlung machte.

Ausdrucksvoll wurde beispielsweise die Ausgangssituation am Hof des Prinzen Leonce ausgespielt, wo die gähnende Langeweile des Hoflebens, unter dem Leonce leidet und dem er entkommen will, dem Zuschauer geradezu physisch vermittelt wurde in der quälenden Wiederholung bestimmter Motive: Das Zurückweichen der Untertanen vor einer unkalkulierbaren Autorität, die sinnentleerte Kommunikation mit einer in bestimmten Gedankenbahnen bleibenden KI, der Kampf um Selbstachtung von Seiten eines Königs, dem in einer solchen Umgebung keiner mehr auf die gebührende Weise entgegentreten kann. Die Rollen waren genauso fluid besetzt wie die Bedeutung der Requisiten: Zwei Blumenkränze standen für Memo-Taschentuch, Königskrone oder Hochzeitskranz, die grünen Gaze-Kostüme wurden zu Königsmänteln, Astwerk und Königskitteln, und mit dem ständigen Bedeutungs-Wechsel der Gegenstände wurden letztlich auch die Identitäten der Figuren aufgelöst. Die weiß geschminkten, maskenhaften Gesichter aller Schauspieler erinnerten dabei an einen antiken Chor und ermöglichten dem Ensemble das Spiel mit bestimmten Typen: Der/die Liebende, der/die Leidende, der/die Selbstgefällige traten in den Vordergrund, hatten ihren Auftritt und versanken wieder im wabernden grünen Chaos: Hier gab es keine Heldengeschichte, sondern jede(r) hatte Momente von Heldenhaftigkeit und Feigheit, von Unterwerfung und Auflehnung gegen überkommene Systeme. Der Chor flankierte die Handlung und unterbrach die Abläufe der Dramenhandlung immer wieder durch Volkslieder, die jeglichen Pathos eines märchenhaften Königshofes endgültig konterkarierten.

Am Schluss bekamen sie sich, Leonce und Lena, die dem Arrangement ihrer Ehe entgehen wollten, um sich gerade durch ihre Flucht in die Arme zu laufen. Ob das angesichts der völligen Orientierungs- und Haltlosigkeit innerhalb dieser chaotischen Welt ein Happy End war, blieb dabei offen.

Fotos: Jürgen Schurr, Firma derfotoschamane

Zurück